Firefox unter Linux installieren

Software unter Linux zu installieren ist so eine Sache. Wenn es die Software in der Paketverwaltung gibt, ist es natürlich extrem einfach. Wenn nicht, fängt man an zu suchen.

Bei Ubuntu kann man vielleicht noch ein PPA finden, das ist nur minimal schwieriger als die direkte Installation.

Vielleicht bietet der Hersteller auch fertige Pakete an, die sich auch in der Paketverwaltung installieren lassen. Man muss natürlich das richtige Paket benutzen. Bei Debian-basierten Distributionen (wie z.B. Ubuntu) braucht man ein Paket im DEB-Format, alternativ gibts für RPM-basierte Paketverwaltungen auch das RPM-Format.

Findet sich auch kein Paket, ist vielleicht wenigstens ein vorkompiliertes Archiv verfügbar, meistens als tar.gz oder tar.bz2. Dieses muss dann an eine bestimmte Stelle entpackt werden. Das ist zwar nicht mehr so einfach, aber funktioniert mit praktisch allen Distributionen.

Als letzte Möglichkeit bleibt dann noch der Quellcode. Das ist aber ein Kapitel Buch für sich. Auch das funktioniert mit allen Distributionen, von Benutzerfreundlichkeit kann hier natürlich nicht mehr die Rede sein.

Auf Bitten von Björn möchte ich hier speziell auf Firefox eingehen, wobei das Verfahren auf ähnliche Softwarepakete übertragbar ist, vor allem natürlich auf Thunderbird, da es aus dem gleichen Haus stammt. Firefox gibt es eigentlich in allen Paketquellen, und es gibt auch verschiedene PPAs für spezielle Versionen. Wer trotzdem eine andere Version benutzen möchte, findet meistens nur eine Archivdatei.

Grundsätzlich gibt es drei Möglichkeiten:

  1. Installation für das ganze System
  2. Installation im Home-Ordner, aber ins System integriert
  3. Persönliche Installation

Vor- und Nachteile

Bei der Installation für das ganze System ist Firefox fast genauso installiert wie in der Paketverwaltung, der Firefox ist also gut ins System integriert. Alle Benutzer können ihn starten, allerdings funktioniert der eingebauter Updater nicht, weil der Programmordner für Benutzer schreibgeschützt ist.

Die Installation im Home-Ordner ist nur für Einzelbenutzer geeignet. Ich handhabe es auch so. Der Programmordner liegt dabei in eurem persönlichen Ordner, der Firefox ist aber ins System integriert. Vorteil: der Updater funktioniert wieder. Nachteil: Der Firefox läuft nur noch für den Benutzer, in dessen Home-Ordner er liegt.

Zuletzt gibts es noch die persönliche Installation. Der Programmordner liegt im persönlichen Ordner und ist nicht ins System integriert. Das ist empfehlenswert, wenn ein einzelner Benutzer eine andere Version benutzen möchte oder man nur schnell was testen will. Für letzteres eignet sich natürlich eine portable Version eher.

Abstecher: Portable Firefox

Firefox gibts es für Windows ja von diversen inoffiziellen Quellen auch als portable Version. Man findet aber ab und zu auch portable Linux-Versionen, allerdings sind diese nicht ganz so portable, denn meistens wird trotzdem der normale Profilordner benutzt. Da man aber auch selten mal einen anderen Linux-PC antrifft, werden Portable Versionen sowieso eher zum Testen von neuen Versionen benutzt. Wer trotzdem einen echten Portable Firefox sucht, kann ja mal meine Version ausprobieren.

Die folgenden Schritten beziehen sich immer auf eine (mehr oder weniger) feste Installation, es wird also immer das Standardprofil benutzt.

Allgemeines

Als erstes braucht man ein Download-Archiv. Ob jetzt Firefox oder Thunderbird, ob stabile Version oder aus den Entwickler-Kanälen, ist egal. Hauptsache, man hat ein tar.gz oder tar.bz2. Auch braucht man ein Terminal. Das ist irgendwo im Programmmenü oder -starter zu finden.

Ich gehe mal davon aus, dass die heruntergeladene Datei im Ordner /home/benutzername/ liegt und firefox-4.0.1.tar.bz2 heißt. Der Benutzername und der Dateiname muss als entsprechend angepasst werden.

Installation für das ganze System

Im folgenden werden einige Befehle mit sudo benutzt, da wir Root-Rechte brauchen. Bei der ersten Eingabe wird nach deinem Benutzerpasswort gefragt.

sudo mkdir -p /opt
cd /opt
sudo tar xvf /home/benutzername/firefox-4.0.1.tar.bz2
sudo ln -s /opt/firefox/firefox /usr/local/bin/firefox

Damit wäre Firefox installiert. Den Firefox aus der Paketverwaltung am besten trotzdem installiert lassen, da sich die beiden nicht behindern und ansonsten die Paketverwaltung stolpern könnte bei Programmen, die Firefox als Abhängigkeit brauchen.

Firefox ist jetzt under /opt/ installiert. Dieser Ordner ist für Programme reserviert, die nicht aus der Paketverwaltung stammen. Es wurde aber ein Link unter /usr/local/bin angelegt, damit statt des Firefox aus der Paketverwaltung unser eigener gestartet wird.

Installation im Home-Ordner, aber ins System integriert

Das Verfahren ist ähnlich wie oben:

mkdir -p ~/Programme
cd ~/Programme
tar xvf /home/benutzername/firefox-4.0.1.tar.bz2
sudo ln -s /home/benutzername/Programme/firefox/firefox /usr/local/bin/firefox

Firefox ist jetzt im Ordner Programme im persönlichen Ordner installiert. Natürlich kann auch ein anderer Ordner benutzt werden. Wichtig ist, beim letzten Befehl den vollen Pfad anzugeben, also nicht etwas wie ../Programme/firefox/firefox, sonst funktioniert es wahrscheinlich nicht.

Auch hier gilt: Am besten die Version der Paketverwaltung installiert lassen.

Persönliche Installation

In den beiden oberen Fällen wurde der installierte Firefox praktisch ersetzt. Die letzte Möglichkeit ist eine parallele Installation. Dazu einfach das Archiv entpacken und in einen Ordner deiner Wahl entpacken, das geht auch ohne Terminal.

Allerdings musst du den Firefox jetzt natürlich auch starten können. Das geht entweder, in dem du die Datei firefox im Programmordner ausführst (nicht öffnen, sondern ausführen, falls eine Nachfrage vom Dateimanager kommt), oder indem du dir einen Starter anlegst. Lege eine neue, leere Datei an und speichere folgenden Inhalt:

[Desktop Entry]
Version=1.0
Name=Mein eigener Firefox
GenericName=Web Browser
Exec=/home/benutzername/firefox/firefox %u
Terminal=false
Type=Application
Icon=firefox
Categories=Application;Internet;Network;WebBrowser;
MimeType=text/html;text/xml;application/xhtml+xml;application/xml;application/vnd.mozilla.xul+xml;application/rss+xml;application/rdf+xml;image/gif;image/jpeg;image/png;
StartupWMClass=Firefox
StartupNotify=true

Die Zeile mit Exec= muss natürlich angepasst werden. Bei Name= kann ein passender Namen angegeben werden, um diese Installation von der normalen Version unterscheiden zu können.
Anschließend änderst du die Dateiendung in .desktop (weil danach das Bearbeiten schwieriger wird) und verschiebst sie in den (versteckten) Ordner .local/share/applications in deinem Home-Ordner.

29 Kommentare zu “Firefox unter Linux installieren”

  1. Bjoern
    12. Juni 2011 11:27
    1

    Hallo Felix,
    Vielen Dank für diese ausführliche Anleitung…
    Momentan kann ich es leider nicht ausprobieren, da mein System Mich nicht mehr angemeldet lasst… nach dem ich dieser Anleitung in anderer Sache, gefolgt bin.Hier ging es sich um das verschieben von den Buttom icons nach Top…
    http://www.webupd8.org/2011/06/move-icons-from-message-tray-to-top.html
    …versuche an den Extensions-ordner zu kommen um,leider erfolglos…gibt es bei Fedora keine abgesicherten Modus, also Starten ohne Erweiterungen??
    Ein feines Pfingstwochenende =)
    Werde mal die Kommentare beobachten…

  2. Felix
    12. Juni 2011 12:51
    2

    Ich kenne mich mit der GNOME3 Shell nicht aus, aber anhand der gegebenen Befehle würde ich einfach die kopierten Dateien löschen. Wenn du willst, kann ich dir da nen Tipp geben, aber da ich damit keine Erfahrung habe und auch nur rate, muss ich darauf bestehen, dass du vorher ein Backup machst.

  3. Bjoern
    12. Juni 2011 13:00
    3

    Sicher..immer her mit den Tipps…
    Aber ich komm nicht an mein Administrationprofil… nach der Anmeldung sagt mir Linux ‘das das System ein Problem hätte-welches es nicht beheben könnte und es mich deshalb abmelden müße’
    Über ein Gastkonto fehlen mir die Rechte =(…
    Backup habe ich von Dejavue…

  4. Felix
    12. Juni 2011 13:07
    4

    Ich gehe davon aus, dass du die Befehle von der verlinkten Seite im Terminal ausgeführt hast. Um die rückgängig zu machen, brauchen wir wieder ein Terminal, das geht wenigstens auch ohne graphische Oberfläche. Wenn die Anmeldeoberfläche kommt, drück mal [Strg+Alt+F1], dann landest du auf einer der virtuellen Konsolen. Da müsstest du dich noch anmelden können.
    Danach würde ich folgendes ausprobieren:
    rm -rv ~/.local/share/gnome-shell/extensions/icon-manager@krajniak.info
    sudo rm -rv /usr/local/share/glib-2.0/schemas/org.gnome.shell.extensions.icon-manager.gschema.xml
    sudo glib-compile-schemas /usr/local/share/glib-2.0/schemas
    sudo shutdown -r now

    Aber wie gesagt, das ist nur geraten anhand der Befehle, die auf der Seite stehen, die du oben verlinkt hast. Mit dem letzten Befehl wird die Kiste automatisch neu gestartet, danach solltest du dich hoffentlich wieder anmelden können.

  5. Bjoern
    12. Juni 2011 13:24
    5

    Ok dann gleich mal testen.. :)

  6. Didi
    12. Juni 2011 15:03
    6

    Das ist jetzt etwa 1 1/2 Stunden her, wie ich sehe. Ob’s gerummst hat?

  7. Bjoern
    12. Juni 2011 15:15
    7

    Momentan noch nicht…linux akzeptiert das Login nicht..???

  8. Felix
    12. Juni 2011 15:17
    8

    In der Konsole oder auf der graphischen Oberfläche?
    Was heißt “akzeptiert das Login nicht”? Fehlermeldung?

  9. Bjoern
    12. Juni 2011 15:31
    9

    Also..
    Nach den laden von Fedora erscheint der Anmeldebildschirm
    Nach den ich dann alt+strg+f2 (f1keine reaktion)erscheint ein schwarzer Dos bildschirm(linux kernel so&soviel)
    Gefragt wird:Login
    Nach eingabe…
    Passwort:??? Danach ‘login incorrect’
    Ps:helfe/poste VIA Android bin deshalb etwas langsam

  10. Felix
    12. Juni 2011 15:35
    10

    Hm, das ist seltsam. Hast du zufällig irgendwann mal das Root-Password geändert? Wenn ja, könntest du dich damit anmelden.
    Was du auch versuchen könntest: Ich kenne Fedora nicht so, aber vielleicht kannst du beim Anmelden auf der graphischen Oberfläche eine andere Sitzung auswählen. Gibt es da irgendeine Auswahlbox, wo du eine “Terminal-Sitzung” (oder ähnlich) auswählen kannst? Eventuell erscheint die Box erst, wenn du deinen Benutzernamen eingegeben hast.

  11. Bjoern
    12. Juni 2011 16:16
    11

    Hatte mal das Passwort geändert… komicherweise wird entweder das eine oder das andere im Terminal abgefragt??!
    Was ich auswählen kann ist Gnome oder Media-Center welcher auch funktioniert…
    Kann man über das Gastprofil einen Zugang finden,über das Terminal?

  12. Felix
    12. Juni 2011 16:28
    12

    Vom Media-Center hast du wahrscheinlich auch keinen Zugriff auf ein Terminal, oder?
    Beim Gast-Profil… Selbst wenn du da ein Terminal geöffnet kriegst, weiß ich nicht, ob du da den Benutzer wechseln kannst. Versuch es. Gast-Profil, Terminal öffnen, entweder su und das Root-Passwort, oder sudo su und dein persönliches Passwort. Versuch das erstmal, aber noch nicht die Befehle, die ich dir oben gegeben hab. Wenn es mit dem Gast-Profil klappt, bist du als Root angemeldet. Ich würde dann erstmal das Passwort für deinen Account zurücksetzen.

  13. Bjoern
    12. Juni 2011 16:36
    13

    Danke^
    das Du deinen Sonntag opferst =)
    Gib gegen 18uhr wieder Feedback… kurz weg muß.
    Double Thanks

  14. Didi
    12. Juni 2011 17:51
    14

    Hi Hacker, dürfte ich Deine geneigte Aufmerksamkeit auf den Tweet “Boot Splash” einschließlich der Kommentare lenken? Hast Du eine Idee? Gerne auch per Mail, da das Thema hier verfehlt ist.
    http://www.ubunteros.ch/robologo

  15. Felix
    12. Juni 2011 18:12
    15

    Ne, Didi, tut mir leid, da weiß ich auch nicht weiter.
    Kannst du vielleicht die ganze Datei irgendwo hochladen/posten? (Vielleicht http://paste.ubuntuusers.de?)

  16. Bjoern
    12. Juni 2011 18:48
    16

    Hallo Felix,
    wollt Dir nur sagen das die sache mit dem Gastkonto geklappt hat… bin nun su – mäßig als root%bjoern unterwegs..
    Suche nur gerade den extensionsordner!!

  17. Didi
    12. Juni 2011 18:49
    17

    Ach lass’ mal, das würde nur ausarten. Letztendlich würde es nur was zur Verschönerung beitragen, aber technisch nichts bringen. Danke, dass Du es Dir mal angeschaut hast.

  18. Felix
    12. Juni 2011 18:56
    18

    OK, wenn du Root bist, sind wir einen großen Schritt weiter.
    rm -rv /home/benutzername/.local/share/gnome-shell/extensions/icon-manager@krajniak.info
    sudo rm -rv /usr/local/share/glib-2.0/schemas/org.gnome.shell.extensions.icon-manager.gschema.xml
    sudo glib-compile-schemas /usr/local/share/glib-2.0/schemas
    sudo shutdown -r now

    benutzername natürlich anpassen.

  19. Björn
    12. Juni 2011 19:11
    19

    Habs mit der Keule erledigt =) den extensionsordner aufgesucht “mit root” und dennn die extension ins trash verfrachtet!
    Bin wieder “ON”… froh ich bin jetzt!!

  20. Björn
    12. Juni 2011 19:58
    20

    Felix…das erste mal das ich Firefox über’s Terminal als archiv installiert habe!!!
    Merci der Herr :-)

  21. Felix
    12. Juni 2011 20:18
    21

    Kein Problem.

  22. JürgenHugo
    13. Juni 2011 10:31
    22

    FF unter Linux installieren? 3 Möglichkeiten:

    1) ich nehm den, FF, der eben schon da drin ist von Haus aus – der IST schon installiert…

    2) ich frage einen “glücklichen” – der erklärt mir das genau! (beim nächsten Mal guck ich dann auf meine Notizen, und machs genau so)

    3) ich denke: ach was, das is mir alles viieell zu fummelig – ich nehm einen von den 3 FF, die bei mir NICHT unter Linux laufen…

    Drohung: wenn der Kommentar nicht zeitnah auftaucht, bekommst du eine Tüte über den Kopf! So.

  23. Felix
    13. Juni 2011 16:08
    23

    Für den Otto-Normaluser sollte der aus der Paketverwaltung auch ausreichen. Wer aber mal eine andere Version testen will (z.B. aus den Nightly-, Aurora- oder Beta-Channels), kann es wie oben beschrieben machen. Ich habe mir ja auch immer eine eigene x64-Version gebastelt, weil Mozilla erst seit Firefox 4 selbst welche mit 64 Bit bereitstellt. Dabei bin ich dann auch wie oben vorgegangen. Und mit Thunderbird lässt sich das gleiche machen.

    Und keine Sorge, du bist längst freigeschaltet, du landest also gar nicht mehr in der Warteschlange.

  24. JürgenHugo
    13. Juni 2011 16:28
    24

    Das mit dem Kommentar hab ich ja gleich gemerkt – da war der aber schon “wech”! :mrgreen:

  25. Björn
    8. August 2011 14:38
    25

    Hallo Felix,
    mir ist seid längerem aufgefallen das FF nun leider keine Dateiverknüpfungen mehr erkennt…das heißt er lädt sagen wir mal eine MP3 Datei oder Flash runter und kann die Datei selbst nicht öffnen, selbst das öffnen des entsprechenden Ordners ist nicht möglich? Kann ich das nachträglich noch einrichten? Oder müßte Firefox über die Paketverwaltung installiert werden??
    Habe die Home-Variante gewählt…!

  26. Felix Kloft
    8. August 2011 14:57
    26

    Gute Frage. Was die Dateiverknüpfungen betrifft, kenn ich mich auch nicht so ganz aus. Welche Desktopumgebung benutzt du denn?
    Seit ich Natty benutze, ist mir aufgefallen, dass die Verknüpfungen auch innerhalb Gnomes nicht immer richtig erkannt werden. Könnte also auch daran liegen.

  27. Björn
    8. August 2011 15:46
    27

    Ich nutze Gnome3 unter Fedora15. Habe aber auch Probleme mit Chrome, der kann nicht mehr über’s Kontextmenu von Opera geöffnet werden, da hier alle Plugins nicht geladen werden und Chrome somit abstürzt bevor überhaupt geladen ist!

  28. Felix Kloft
    8. August 2011 15:49
    28

    Ne, tut mir leid. Mit Gnome 3 kenn ich mich überhaupt nicht aus.

  29. Björn
    8. August 2011 15:51
    29

    Kein Ding –
    Danke!