Ubuntu 11.04 (aka Natty Narwhal)

Montag, 11. Juli 2011

Am Wochenende hab ich endlich Natty installiert. Das Karmic, das ich vorher drauf hatte, war ja seit April offiziell veraltet.

Ich hab noch nicht alles eingerichtet, wie ich es haben will, das wird wohl auch noch ein wenig dauern. Aber eins habe ich direkt gemerkt: Mein System ist wesentlich schneller. Fährt schneller hoch, Programme öffnen schneller. Vielleicht, weil ich noch nicht alles installiert und vollgemüllt habe. Also vorsichtig sein.

Die größte Änderung ist wohl Unity. Ich habe mich noch nicht ganz dran gewöhnt, aber ich denke, das wird klappen. Es mag noch ein paar Nachteile haben, aber ich sehe auch die Vorteile.

Die wichtigsten Dinge, die ich bis jetzt geändert habe:

  • Den Shortcut für den Launcher habe ich von <Super> (aka Windows-Taste) auf <Control><Super> geändert. Ich habe einige Programme und Compiz-Funktionen mit <Super> verknüpft, die würde Unity sonst blockieren.
  • Ich habe die Compiz-Fusion-Extra-Plugins installiert. Da sind einige für mich sehr wichtige dabei, z.B. Maximumize.
  • Statt der Desktop-Wand habe ich wieder auf den Würfel umgeschaltet. Ein bisschen Eye-Candy muss sein.
  • Das o.g. Maximumize hat Probleme mit den unsichtbaren Fenster-Rändern. Die habe ich daher abgeschaltet.

Zum letzten Punkt: bei den Themes Radiance und Ambiance gibt es links, rechts und unten ja nur einen 1-Pixel-Rand. Um Fenster trotzdem leicht resizen zu können, gibt es neben dem Griff in der rechten, unteren Ecke unsichtbare Ränder außerhalb des sichtbare Rands, an denen das Fenster gezogen werden kann. Maximumize kommt damit aber nicht zurecht. Da ich sowieso oft mit <Super>+Mittlerer Taste vergrößere, brauch ich die Ränder nicht.

Deaktiveren kann man die Ränder nur, indem man die Themes bearbeitet. Die Themes liegen unter /usr/share/themes/. Im Unterordner metacity-1 des jeweiligen Theme-Ordners liegt eine Datei namens metacity-theme-1.xml. Diese muss mit Root-Rechten bearbeitet werden, z.B. im Terminal mit sudoedit Dateiname. In dieser XML-Datei gibt es mehrere Stellen, die so oder so ähnlich aussehen: <padding left="2" right="2" bottom="2"/>, sprich alle <padding>-Tags. Diese Tags müssen mit <!-- und --> auskommentiert werden. Aus

	<padding left="2" right="2" bottom="2"/>

wird also

	<!--<padding left="2" right="2" bottom="2"/>-->

Damit die Änderung nach dem Speichern übernommen wird, muss in den Erscheinungsbild-Einstellungen kurz ein anderes Theme ausgewählt werden. Beim Zurückschalten werden die Ränder entfernt.

Firefox unter Linux installieren

Samstag, 11. Juni 2011

Software unter Linux zu installieren ist so eine Sache. Wenn es die Software in der Paketverwaltung gibt, ist es natürlich extrem einfach. Wenn nicht, fängt man an zu suchen.

Bei Ubuntu kann man vielleicht noch ein PPA finden, das ist nur minimal schwieriger als die direkte Installation.

Vielleicht bietet der Hersteller auch fertige Pakete an, die sich auch in der Paketverwaltung installieren lassen. Man muss natürlich das richtige Paket benutzen. Bei Debian-basierten Distributionen (wie z.B. Ubuntu) braucht man ein Paket im DEB-Format, alternativ gibts für RPM-basierte Paketverwaltungen auch das RPM-Format.

Findet sich auch kein Paket, ist vielleicht wenigstens ein vorkompiliertes Archiv verfügbar, meistens als tar.gz oder tar.bz2. Dieses muss dann an eine bestimmte Stelle entpackt werden. Das ist zwar nicht mehr so einfach, aber funktioniert mit praktisch allen Distributionen.

Als letzte Möglichkeit bleibt dann noch der Quellcode. Das ist aber ein Kapitel Buch für sich. Auch das funktioniert mit allen Distributionen, von Benutzerfreundlichkeit kann hier natürlich nicht mehr die Rede sein.

Auf Bitten von Björn möchte ich hier speziell auf Firefox eingehen, wobei das Verfahren auf ähnliche Softwarepakete übertragbar ist, vor allem natürlich auf Thunderbird, da es aus dem gleichen Haus stammt. Firefox gibt es eigentlich in allen Paketquellen, und es gibt auch verschiedene PPAs für spezielle Versionen. Wer trotzdem eine andere Version benutzen möchte, findet meistens nur eine Archivdatei.

Grundsätzlich gibt es drei Möglichkeiten:

  1. Installation für das ganze System
  2. Installation im Home-Ordner, aber ins System integriert
  3. Persönliche Installation

Vor- und Nachteile

Bei der Installation für das ganze System ist Firefox fast genauso installiert wie in der Paketverwaltung, der Firefox ist also gut ins System integriert. Alle Benutzer können ihn starten, allerdings funktioniert der eingebauter Updater nicht, weil der Programmordner für Benutzer schreibgeschützt ist.

Die Installation im Home-Ordner ist nur für Einzelbenutzer geeignet. Ich handhabe es auch so. Der Programmordner liegt dabei in eurem persönlichen Ordner, der Firefox ist aber ins System integriert. Vorteil: der Updater funktioniert wieder. Nachteil: Der Firefox läuft nur noch für den Benutzer, in dessen Home-Ordner er liegt.

Zuletzt gibts es noch die persönliche Installation. Der Programmordner liegt im persönlichen Ordner und ist nicht ins System integriert. Das ist empfehlenswert, wenn ein einzelner Benutzer eine andere Version benutzen möchte oder man nur schnell was testen will. Für letzteres eignet sich natürlich eine portable Version eher.

Abstecher: Portable Firefox

Firefox gibts es für Windows ja von diversen inoffiziellen Quellen auch als portable Version. Man findet aber ab und zu auch portable Linux-Versionen, allerdings sind diese nicht ganz so portable, denn meistens wird trotzdem der normale Profilordner benutzt. Da man aber auch selten mal einen anderen Linux-PC antrifft, werden Portable Versionen sowieso eher zum Testen von neuen Versionen benutzt. Wer trotzdem einen echten Portable Firefox sucht, kann ja mal meine Version ausprobieren.

Die folgenden Schritten beziehen sich immer auf eine (mehr oder weniger) feste Installation, es wird also immer das Standardprofil benutzt.

Allgemeines

Als erstes braucht man ein Download-Archiv. Ob jetzt Firefox oder Thunderbird, ob stabile Version oder aus den Entwickler-Kanälen, ist egal. Hauptsache, man hat ein tar.gz oder tar.bz2. Auch braucht man ein Terminal. Das ist irgendwo im Programmmenü oder -starter zu finden.

Ich gehe mal davon aus, dass die heruntergeladene Datei im Ordner /home/benutzername/ liegt und firefox-4.0.1.tar.bz2 heißt. Der Benutzername und der Dateiname muss als entsprechend angepasst werden.

Installation für das ganze System

Im folgenden werden einige Befehle mit sudo benutzt, da wir Root-Rechte brauchen. Bei der ersten Eingabe wird nach deinem Benutzerpasswort gefragt.

sudo mkdir -p /opt
cd /opt
sudo tar xvf /home/benutzername/firefox-4.0.1.tar.bz2
sudo ln -s /opt/firefox/firefox /usr/local/bin/firefox

Damit wäre Firefox installiert. Den Firefox aus der Paketverwaltung am besten trotzdem installiert lassen, da sich die beiden nicht behindern und ansonsten die Paketverwaltung stolpern könnte bei Programmen, die Firefox als Abhängigkeit brauchen.

Firefox ist jetzt under /opt/ installiert. Dieser Ordner ist für Programme reserviert, die nicht aus der Paketverwaltung stammen. Es wurde aber ein Link unter /usr/local/bin angelegt, damit statt des Firefox aus der Paketverwaltung unser eigener gestartet wird.

Installation im Home-Ordner, aber ins System integriert

Das Verfahren ist ähnlich wie oben:

mkdir -p ~/Programme
cd ~/Programme
tar xvf /home/benutzername/firefox-4.0.1.tar.bz2
sudo ln -s /home/benutzername/Programme/firefox/firefox /usr/local/bin/firefox

Firefox ist jetzt im Ordner Programme im persönlichen Ordner installiert. Natürlich kann auch ein anderer Ordner benutzt werden. Wichtig ist, beim letzten Befehl den vollen Pfad anzugeben, also nicht etwas wie ../Programme/firefox/firefox, sonst funktioniert es wahrscheinlich nicht.

Auch hier gilt: Am besten die Version der Paketverwaltung installiert lassen.

Persönliche Installation

In den beiden oberen Fällen wurde der installierte Firefox praktisch ersetzt. Die letzte Möglichkeit ist eine parallele Installation. Dazu einfach das Archiv entpacken und in einen Ordner deiner Wahl entpacken, das geht auch ohne Terminal.

Allerdings musst du den Firefox jetzt natürlich auch starten können. Das geht entweder, in dem du die Datei firefox im Programmordner ausführst (nicht öffnen, sondern ausführen, falls eine Nachfrage vom Dateimanager kommt), oder indem du dir einen Starter anlegst. Lege eine neue, leere Datei an und speichere folgenden Inhalt:

[Desktop Entry]
Version=1.0
Name=Mein eigener Firefox
GenericName=Web Browser
Exec=/home/benutzername/firefox/firefox %u
Terminal=false
Type=Application
Icon=firefox
Categories=Application;Internet;Network;WebBrowser;
MimeType=text/html;text/xml;application/xhtml+xml;application/xml;application/vnd.mozilla.xul+xml;application/rss+xml;application/rdf+xml;image/gif;image/jpeg;image/png;
StartupWMClass=Firefox
StartupNotify=true

Die Zeile mit Exec= muss natürlich angepasst werden. Bei Name= kann ein passender Namen angegeben werden, um diese Installation von der normalen Version unterscheiden zu können.
Anschließend änderst du die Dateiendung in .desktop (weil danach das Bearbeiten schwieriger wird) und verschiebst sie in den (versteckten) Ordner .local/share/applications in deinem Home-Ordner.

Firefox 3.6.14 & Thunderbird 3.1.8 + Linux-x64

Mittwoch, 02. März 2011

Es gibt mal wieder neue Updates von Mozilla. Firefox und Thunderbird erschienen in neuen Versionen.

Ich habe beide Versionen als Linux-x64-Version kompiliert.

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Firefox 3.6.13 & Thunderbird 3.1.7 + Linux-x64

Donnerstag, 09. Dezember 2010

Sorry, das hier im Moment wenig kommt, aber im Moment habe ich nicht allzu viel Zeit.

Mozilla hat heute mal wieder Updates für Firefox & Thunderbird rausgebracht. Beide schließen einige Sicherheitslücken sowie Stabilitätsprobleme. Thunderbird soll auch besser mit großen Mailbox-Dateien und IMAP-Verbindungen umgehen können.

Ich habe beide Versionen schon als Linux-x64-Version kompiliert.

[download id="51" format="3"] [download id="52" format="3"] [download id="53" format="3"] [download id="54" format="3"]

Thunderbird 3.1.6

Donnerstag, 28. Oktober 2010

Passend zum gestern erschienen Firefox 3.6.12 erschien heute Thunderbird 3.1.6, in dem die gleiche kritische Lücke gefixed wurde.

Die x64-Version für Linux ist natürlich auch schon fertig.

[download id="49" format="3"] [download id="50" format="3"]

Firefox 3.6.12 und neuer Download-Bereich

Mittwoch, 27. Oktober 2010

Mozilla hat heute Firefox 3.6.12 veröffentlicht. Dabei wurde ein kritische Sicherheitslücke geschlossen. Der Link auf der Seite ist leider tot und die Bugliste leer. Mal abwarten, auf der Homepage ist immerhin auch noch 3.6.11.

Schon lustig: nach dem Update kam auf der Landing-Page:

You’re now running Firefox 3.6.12.
For security reasons, we recommend downloading the latest and greatest version.

Da ist das System wohl noch nicht ganz umgestellt.

Ich habe auch schon die x64-Version für Linux kompiliert. Wer sie haben will, braucht jetzt nicht mehr zu Google Docs, denn…

… ich habe einen neuen Download-Bereich! Früher hatte ich mangels Blog (und damit Webspace) mal alles bei Google Docs hochgeladen, damals wurde gerade das File-Hosting da eingeführt, man konnte also beliebige Dateien hochladen. War aber schon etwas lästig. Ein kurze Suche im WordPress-Verzeichnis brachte mich dann auf WordPress Download Monitor. Kann Dateien hochladen, verwalten, ordnen, etc. Bietet auch direkt eine Download-Seite an, mit Suche und Sortierung. Da wird vielleicht demnächst noch getweaked, aber vorerst läuft alles ganz gut. Trotzdem mal Bitte um Rückmeldung!

Ich habe mir mal erlaubt, das Datum bei den Dateien auf das Release-Datum der Versionen zu ändern, damit die Sortierung besser klappt. Neue Downloads reihen sich ja automatisch ein.

Update: klassischer Vorführ-Effekt. WordPress macht im Moment ein paar Probleme mit den Permalinks. Daher funktioniert der Download-Bereich im Moment nicht. Ich melde mich demnächst…

Update, die 2.: ein paar Optionen geändert, funktioniert vorerst anscheinend. Die .htaccess macht anscheinend Probleme…

Update, die 3.: Die Downloads scheinen zu funktionieren. Im Moment arbeite ich noch daran, die Downloads in die Artikel einzubetten. Geht nämlich auch ;-)

Download: [download id="47" format="3"] [download id="48" format="3"]

Kurzmeldung: Firefox 3.6.11 / Thunderbird 3.1.5 + x64

Dienstag, 19. Oktober 2010

Mozilla hat heute neue Updates rausgebracht. Firefox ist in Version 3.6.11 erschienen, Thunderbird in Version 3.1.5. Beide Version sollen Sicherheits- und Stabilitätsprobleme lösen. Beide Versionen habe ich als x64-Version für Linux kompiliert.

Übrigens: mit Erscheinen von Firefox 4 werde ich die x64-Version einstellen (zumindest für Firefox). Die werden mittlerweile von Mozilla selbst kompiliert, aber eben erst für den 4er Branch. Wann es das für Thunderbird gibt, weiß ich nicht. Wobei Version4 beim Vogel wohl noch dauern kann…

Firefox 4 Beta 4

Mittwoch, 25. August 2010

Es wird fleißig an Firefox geschraubt. Gestern ist die Beta 4 erschienen, 3 weitere und ein RC sollen noch folgen.

Mit Version 4 werde ich aufhören, Linux-x64-Versionen zu kompilieren, das macht Mozilla mittlerweile selbst. Die Beta 4 ist z.B. hier als x64 erhältlich.

Nun möchte ich noch zu einigen Neuerungen kommen. Die Oberfläche wurde schon mehrfach verbloggt, wird wohl mittlerweile jeder wissen: Tabs sind standardmäßig on Top, Windows Aero wird unterstützt, Menü wurde in einem Button zusammengefasst. Einige schreien hier vielleicht “geklaut!”, aber im Gegensatz zu z.B. Chrome lässt sich das in Firefox alles wieder ändern. Im folgenden möchte ich noch einige technische Neuerungen zeigen. Das ist eher für Web-Entwickler interessant.

Unter der Haube arbeitet eine neue JavaScript-Engine namens JägerMonkey, die derzeit auch noch stark entwickelt wird. Damit holt Firefox wieder etwas auf. Zugegeben, Firefox ist im Moment einer der langsamsten Browser, aber auf meinem Laptop läuft der immer noch. Und ich habe 40 AddOns installiert. Viele dieser Dinge gibt es gar nicht für Chrome.

Viele Dinge aus HTML5 und CSS 3 werden jetzt unterstützt. Dabei ist vor allem eine echter HTML5-Parser, Formular-Validierung, SVG-Animationen und CSS-Übergänge. CSS-Animationen sollen noch folgen. SVGs sollen auch als Bilder gerendert werden, sodass sie als <img> oder CSS-Hintergrund benutzt werden können. WebM wird in HTML5-Videos unterstützt, damit ist YouTube teilweise schon ohne Flash möglich. Neben 2D-Grafiken erlaubt <canvas> auch 3D-Bilder mittels WebGL.

Danke des HTML5-Parsers können SVG-Bilder und MathML-Objekte direkt in ein HTML-Dokument eingebettet werden.

Die Gecko-Engine erlaubt in CSS den calc()-Selecktor, mit dem Größen- und Positionsangaben viel flexibler angegeben werden können. Sollen z.B. zwei gleich große Boxen nebeneinander angezeigt werden, mit 1em Abstand außen und 3cm Abstand innen, kann man ihnen die Breite calc(50%-1.5cm-1em) geben.

In JavaScript wird es einfacher, mit Dateien des Benutzers zu arbeiten (<input type="file"> oder Drag’n'Drop). Neben dem FormData-Objekt, dass ein einfaches Hochladen von Dateien mittels XMLHttpRequest erlaubt, lässt mit der url-Eigenschaft eines File-Objektes eine Bild fast überall in der Webseite benutzen, z.B. als Quelle für ein <img>-Element oder als CSS-Hintergrund.

Unter Windows Seven wird Multi-Touch unterstützt, wenn der Bildschirm es unterstützt. Webseiten können also erkennen, dass ein Multitouch-Gerät verfügbar ist, können Touch-Eingabe von Mausklicken unterscheiden und mehrere Finger gleichzeitig verarbeiten.

Als eine der letzen Änderungen ist eine neue CSS-Funktion eingeflossen. Damit können beliebige HTML-Elemente einer Webseite als Hintergrund für ein anderes Element benutzt werden. Zwei sinnvolle Nutzungsmöglichkeiten sind Reflektionen von Elementen, die automatisch generiert werden sowie Galerien, die Vorschaubilder aller Seiten anzeigen. Da die die Hintergründe live aktualisiert werden, funktioniert das ganze sogar mit Videos und Iframes.

Kurzmeldung: Thunderbird 3.1.2

Freitag, 06. August 2010

Thunderbird 3.1.2 ist freigegeben worden. Laut Release Note wurden vor allem Stabilitäts-Fixes eingebaut.

Linux x64-Versionen sind fertig, ebenso Caschys Portable.

Fenstermanager unter Linux

Freitag, 30. Juli 2010

Stefan Münz hat mich in Buzz auf die Idee gebracht, mal was über die Aufgabe des Fenstermanagers unter Linux zu schreiben. Dabei möchte ich insbesondere auf Compiz eingehen, dazu später mehr.

Eins vorweg: relativ bildlastig!

Unter Windows ist man es gewohnt, dass jedes Fenster eine Titelleiste hat, in der auch die Buttons zum Minimieren, Maximieren und Schließen sind. Wenn man auf die Titelleiste klickt, kommt das Fenster nach vorne und ist aktiviert. An den Rändern kann man ein Fenster in der Größe verändern. Das ist bei Linux im Prinzip nicht der Fall. Eine Anwendung, die ein neues Fenster erzeugt, sieht zunächst mal relativ nackt aus, bei Nautilus z.B. so:

Ein Fenster ohne Decoration-Manager

Ohne Decoration-Manager sieht ein Fenster so aus

Wenn mehrere Fenster geöffnet sind, werden sie auch nicht einfach nach vorne geholt, wenn man sie anklickt. Hier kommen erst zwei Programme zum Einsatz: zum einen der Fenster-Manager, zum anderen der Decoration-Manager.

Der Fenster-Manager verwaltet alle Fenster für den X-Server. Der X-Server ist unter Linux allgemein die graphische Oberfläche, im Gegensatz zu den virtuellen Terminals. Wer es einmal ausprobieren will, kann mit [Strg+Alt+F1] bis [Strg+Alt+F8] (erst weiterlesen!) auf eins der virtuellen Terminals schalten. Hat man erst mal die graphische Oberfläche verlassen, kann man mit [Alt+F1] bis [Alt+F8] umschalten. Der X-Server läuft normalerweise auf #7, also mit [Alt+F7] wieder zurückschalten.

Zurück zum Fenster-Manager. Der ist dafür zuständig, die Fenster in der richtigen Reihenfolge übereinander zu legen, ein Fenster zu aktivieren, verschieben, vergrößern und so weiter. Er sorgt auch dafür, dass das aktivierte Fenster Tastatureingaben annehmen kann. Er bietet dies Funktionen an, aber zeichnet selbst noch keine Titelleiste, so dass man immer noch nicht viel mit den Fenstern machen kann.

Hier kommt der Decoration-Manager ins Spiel. Er zeichnet letztlich den Rahmen mit den Buttons um die Fenster herum. Allerdings sei gesagt, dass meistens der Decoration-Manager zum Fenster-Manager gehört. Die am häufigsten genutzten Programme sind:

  • Metacity, der Standard-Fenster-Manager von GNOME, zusammen mit dem gtk-window-decorator als Decoration-Manager
  • KWin, der Fenster-Manager von KDE, zusammen mit dem kde-window-decorator
  • Compiz, ein Fenster-Manager mit vielen Effekten, kann bei GNOME und KDE alternativ benutzt werden. Benutzt den compiz-decorator, welcher wiederum auf den gtk-window-decorator zurückgreift.
  • Emerald ist kein Fenster-Manager, sondern nur ein alternativer Decoration-Manager für Compiz, sehr gut anpassbar.

Zuletzt sei noch die Existenz sogenannter Composition-Manager erwähnt. Bei Fenster-Managern ohne einen solchen zeichnen die Fenster direkt über die Grafikkarte auf den Bildschirm. Das ist zwar relativ ressourcenschonend, hat allerdings auch ein paar Nachteile. Wenn ein Fenster, das vorher verdeckt war, wieder sichtbar wird, muss der verdeckte Teil neu gezeichnet werden. Graphische Effekte wie Alpha-Transparenz sind nicht möglich. Bei Fenster-Managern mit Compositing zeichnen alle Programme dagegen in einen eigenen Zeichenbereich, den der Fenster-Manager dann auf der Grafikkarte zusammensetzt. Dabei können einzelne Fensterbereiche auch transparent gezeichnet werden.

KWin und Metacity arbeiten normalerweise ohne Compositing, wenn die Grafikkarte (bzw. der Treiber) 2D-Beschleunigung unterstützt kann aber auch Compositing eingeschaltet werden. Das ergibt dann “leichte” Desktop-Effekte wie Live-Vorschau der Fenster im Umschalter (Alt+Tab) oder den Schatten um Fenster herum. Wenn 3D-Beschleunigung möglich ist, kann man auch Compiz benutzen. Compiz ist immer auch ein Compositing-Manager, und bekannt für die vielen Effekte, dazu jetzt mehr.

Compiz

Compiz hat eine relativ komplexe Geschichte, die aus einigen Abspaltungen und Wiedervereinigungen besteht. Compiz wird manchmal auch als Compiz Fusion bezeichnet. Compiz ist dabei im Prinzip der reine Fenster-Manager, während Compiz Fusion alle Plugins für Compiz bereitstellt.

Compiz ist stark modular aufgebaut, sogar das Verschieben oder Vergrößern wird durch Plugins realisiert. Daneben gibt es aber auch sehr viel mehr.

Wer in GNOME unter “Erscheinungsbild” die einfachen Desktop-Effekte aktiviert, schaltet von Metacity auf Compiz mit einer “Standard-Ausstattung”. Die erweiterten Effekte aktiveren darüber hinaus einigen graphischen Schnickschnack, den manch einer braucht, während andere ihn gar nicht wollen. Daneben gibt es noch zwei weitere Einstellungsmöglichkeiten: da ist zum einen ein “Einfacher CompizConfig Einstellungsmanager” (simple-ccsm in den Paketquellen und im Terminal) oder der normale “CompizConfig Einstellungsmanager” (ccsm). Während der Simple-CCSM einige übliche Einstellungsmöglichkeiten bei sehr einfacher Oberfläche bietet, ist der CCSM relativ umständlich, bietet dafür alle möglichen Einstellungen für Compiz. Im CCSM können auch gezielt einzelne Plugins (de)aktiviert werden.

Der einfache CompizConfig Einstellungs-Manager (simple-ccsm)

Der einfache CompizConfig Einstellungs-Manager (simple-ccsm)

Der CompizConfig Settings-Manager (ccsm)

Der CompizConfig Settings-Manager (ccsm)

Einige der Plugins möchte ich hier noch erwähnen. Für einige Aufgaben gibt es verschiedene Alternativen. Um zwischen den virtuellen Desktops umzuschalten gibt es z.B. die Desktop-Tafel (alle Desktops werden virtuell auf einer großen Fläche angeordnet) oder den bekannten Würfel. Genauso gibt es auch verschiedene Anwendungs-Umschalter.

Die meisten Plugins lassen sich mit mehreren Methoden aktivieren. Meistens steht ein Tastaturkürzel, ein Mausbutton oder eine Bildschirmecke zur Verfügung, auch mit Modifiern (Strg,Alt,Shift,Super). Super ist die “Windows-Taste”. Bei Mausbuttons ist:

  1. Links
  2. Mitte
  3. Rechts
  4. nach oben scrollen
  5. nach unten scrollen
  6. nach links scrollen
  7. nach rechts scrollen
  8. Zusatzbutton 1 (Im Browser: zurück)
  9. Zusatzbutton 2 (Im Browser: vor)

Konzentrationshilfe (unter Barrierefreiheit)

Die Konzentrationshilfe blendet automatisch alle Fenster außer dem aktiven ab, um nicht abzulenken. Es lassen sich Einstellungen wie Helligkeit, Transparenz und Sättigung einstellen.

Konzentrationshilfe im Einsatz

Konzentrationshilfe im Einsatz

Sichtbarkeit (unter Barrierefreiheit)

Dieses Plugin arbeitet ähnlich wie Aero Peak unter Windows Seven. Wenn man ein Fenster mit der Maus berührt, werden alle anderen Fenster stark durchsichtig.

Sichtbarkeits-Plugin

Sichtbarkeits-Plugin

Desktop-Würfel (unter Arbeitsfläche)

Compiz ist für diesen Würfel bekannt. Er zeigt die virtuellen Arbeitsflächen auf den Seiten eines Würfels.

Der Desktop-Würfel

Der Desktop-Würfel

Hier möchte ich noch ergänzen, das einige Plugins speziell für den Würfel geschrieben wurden, also nur mit ihm funktionieren. Ich habe mit von der Compiz-Website noch das Atlantis-Plugin installiert:

Das Atlantis-Plugin

Das Atlantis-Plugin

Expo (unter Arbeitsfläche)

Eine Übersicht über alle Arbeitsflächen:

Expo

Expo

Animationen (unter Effekte)

Hier lassen sich einige Animationen für das Öffnen, Schließen, Einrollen und Aktivieren von Fenster einstellen.

Fenster ein-/ausblenden (unter Effekte)

Wenn dieses Plugin aktiviert ist, faden die Fenster im Anwendungsumschalter (Alt+Tab). Außerdem werden nicht reagierende Programme dunkler und schwarz-weiß.

Fensterdekoration (unter Effekte)

Wie gesagt, bei Compiz ist alles ein Plugin. Mit diesem Plugin wird der Decoration-Manager aktiviert, hier lassen sich auch die Fenster-Schatten einstellen.

Fensterunschärfe (unter Effekte)

Der Effekt ist von Vista/7 bekannt: unter transparenten Bereichen sind andere Fenster unscharf.

Fensterunschärfe

Fensterunschärfe

Reflektionen (unter Effekte)

Ebenfalls von Vista/7 bekannt: Unter den transparenten Bereichen erscheinen noch Reflektionen. Ich habe mir die Reflektionen von Windows geklaut, weil mir die von Compiz nicht gefallen haben.

Reflektionen

Reflektionen

Wacklige Fenster (unter Effekte)

Eigentlich nur eine Spielerei: Wenn Fenster verschoben werden, wackeln sie als wären sie aus Gummi. Nebeneffekt: Sie kleben beim verschieben an anderen Fenstern.

Wacklige Fenster

Wacklige Fenster

Vorschaubilder (unter Sonstiges)

Nicht viel zu sagen: Vorschaubilder in der Taskliste bzw. im Dock.

Vorschaubilder

Vorschaubilder

Grid (unter Fensterverwaltung)

Fenster lassen sich in einem 2×2- oder 3×2-Gitter anordnen, änhlich wie AeroSnap unter Windows 7.

Grid

Grid

Maximumize (unter Fensterverwaltung)

Mit Maximumize können Fenster einfach auf die größtmögliche noch freie Fläche gebracht werden.

Maximumize - Vorher

Maximumize - Vorher

Maximumize - Danach

Maximumize - Danach

Skalieren (unter Fensterverwaltung)

Skalieren bedeutet nicht ein Fenster in der Größe zu ändern, dafür gibts ein anderes Plugin ;-) (“Fenster skalieren”). Bei “Skalieren” werden alle Fenster auf dem Desktop verteilt, sodass man durch Klicken eins auswählen kann.

Skalieren

Skalieren

Unter “Werkzeuge” gibt es noch die “Scale-Erweiterungen” (Fenster aus der Übersicht heraus schließen oder eine Vollbildvorschau) sowie den “Scale-Fenstertitelfilter” (Fenster durch Tippen filtern)

Anwendungsumschalter

Die meisten kennen ja die [Alt+Tab]-Funktion. Die gibts unter Windows wie unter den meisten Linux-Fenstermanagern. Bei Compiz gibts es dagegen verschiedene, die sich auch nebeneinander benutzen lassen (z.B. auf verschiedenen Tastenkombinationen). Einige möchte ich hier noch vorstellen. Sie finden sich alle unter “Fensterverwaltung”.

Anwendungsumschalter

Der Standard von Compiz: Die Fenster bewegen sich unter dem Rahmen durch.

Anwendungsumschalter

Anwendungsumschalter

Static Application Switcher

Ähnelt eher dem von Windows: Die Fenster bleiben stehen, der Rahmen bewegt sich.

Static Application Switcher

Static Application Switcher

Shift Switcher (Modus Hülle)

Fenster auswählen im Coverflow-Stil:

Shift Switcher - Hülle

Shift Switcher - Hülle

Shift Switcher (Modus Umdrehen)

Fenster auswählen im Vista/7-Stil (Aero Flip):

Shift Switcher - Umdrehen

Shift Switcher - Umdrehen

Ring-Anwendungsumschalter

Die Fenster werden in einem sich drehenden Ring angeordnet:

Ring-Anwendungsumschalter

Ring-Anwendungsumschalter

Stack Switcher

Der ist standardmäßig nicht dabei, hab ich manuell installiert. Netter 3D-Effekt.

Stack Switcher

Stack Switcher